Monatsarchiv für May 2009

Kleine, falsche Anleitung

NaDenn 18. May 2009

(Die korrekten Bedeutungen der Beispiele sehen Sie besser im Wörterbuch nach ;-)

Anton Simmerling-Warendorn war jahrelang für die Deutsche Ausgabe des Vereinsheftes “Wir von der West-Algarve” verantwortlich und hat sich bei seinen zahlreichen Urlauben im Conselho de Vila do Bispo gut mit dem hiesigen Ideom vertraut machen können. Ab und an wird er nun an dieser Stelle sein Wissen einem interessierten Lesepublikum zugänglich machen:

Vokabeln:
a bola = der Kuchen
o compas = der Kompass
morder = sterben
fado = fahl, bleich, nicht schmackhaft
o senhor = die Frau
a senhora = der Herr  (ABER: o senhor João = der Herr Jürgen!)
boa sorte! = eine gute Sorte
cão = Kuh
pasta = Nudeln
macacos = Maccaronis
papos secos = feste (getrocknete) Pappe
beijinhos! = Guten Tag

Und damit Sie gleich loslegen können, hier einige Anwendungsbeispiele:
È uma boa sorte compas. (Dies ist eine gute Sorte Kompass.)
Socorro! O cão está a morder da bola! (Zu Hilfe! Die Kuh stirbt am Kuchen!)
Sim, è verdade, há mau tempo! (Ja, Sie haben Recht, es sind schlechte Zeiten.)
O fado senhor tem os seus dias. (Die blasse Frau hat Besuch von ihrer Tante.)

Und im Restaurant:
Sff. mais um prato com macacos! (Bitte noch einen Teller Maccaroni.)
Gostámos muito a pasta com Edamer! (Die Nudeln mit dem Edamer haben uns sehr gemundet.)

Und im Geschäft für Kunstbedarf:
Há mais umas folhas dos papos secos por a pintura? (Haben Sie noch ein paar Bögen der festen Malpappe?)

Und immer höflich sein, wenn der Präsident vorbeigeht:
„Beijinhos Vs. Exc. José Socrates!“

Fim do Mundo

NaDenn 6. May 2009

Muttertag – dia da mãe. Eine Landschaft, die erst einmal nur grün ist und in der der Wind alles, was sich nicht unmittelbar in Bodennähe befindet, durchweht. Der junge Eukalyptus, die Canasgruppen, die runden Feigenbäume, die Cystrosenbüsche – mein Lieblingsgewächs mit dem würzigen Duft und den weißen Blüten, die aussehen wie Wildseide, und die nur einen einzigen Tag lang blühen, dann fallen sie ab.
Würde der Wind die Bäume nicht biegen, stünden sie von uns unbeachtet da. Erst die Bewegung fängt die Blicke, erst die Veränderung lässt uns innehalten, was ein Paradoxon ist.
Hier sitze ich unter einer knorrigen Olive und durch mich hindurch ziehen heute Karawanen von Bildern, auch solche, die ich geliehen habe und gar nicht meine sind. In meinem Rücken höre ich Schüsse, die klingen, als würde dauernd eine hölzerne Tür gegen ihren Rahmen schlagen. In aller Frühe streifen sich die Algarvios ihre Tarnanzüge über, holen die Hunde aus den Zwingern, laden sie hinten auf ihre Jeeps und ab geht’s in die Sümpfe, in die Täler und auf die Hügel – die jeweilig freigegebenen Jagdgebiete sind mit einem weißen Punkt auf einer roten Raute gekennzeichnet – abends kehren sie zurück und füllen die Kühltruhen mit den Hasen, Fasanen und Moorhühnern, die kaum noch Platz finden, weil alles schon mit Fisch vollgestopft ist.

Schleicht der Algarvio nicht mit der geschulterten Jagdbüchse durchs klebrige, dornige Gestrüpp, steht er am Klippenrand, tief unter sich die tosende Brandung, und angelt. Die Klippvorsprünge sind oft nur einen halben Meter breit, der passionierte Angler dreht darauf den Rücken dem Abgrund zu und wühlt etwas in seiner Tasche, einen kleinen Schritt rückwärts, aha – da ist der Spezialköder, vor, Sidestep, ran. Die Touristen in einigen Metern Entfernung am Cabo de São Vicente durchläuft ein semiwohler Schauder: einerseits wären sie gerne mal Zeuge eines Absturzes, andrerseits würde es auch reichen, sie würden erst zu Hause in den Nachrichten davon erfahren.
Also drehen sie sich mit weichen Knien weg vom Geschehen und fröstelnd den Ständen mit den schafwollenen Pullovern zu, die hier in Massen aus den Manufakturen in Porto zum Verkauf angeboten werden. Das ist der Trick: nirgendwo sonst an der Algarve könnte man im Sommer Ponchos und Strickjacken verkaufen, außer hier, am Kap, wo die Winde um die Kontinentalecke brausen und die Verkäufer an den Touristenständen fünflagig gekleidet sind. Also wird eingekauft und ab Vila do Bispo wieder abgeworfen. Was für ‘ne Hitze!

Und das “Ende der Welt”: was für ein unwirtlicher Ort.