"So sind die Portugiesen"

“Eine Unterhose und ein Kind bitte!” – Cristiano Ronaldo ist Vater geworden

NaDenn 9. July 2010

Also ICH würde mich nicht so gerne an Ronaldo kuscheln, wovon die BUNTE meint, dass das ausnahmslos jede Frau nur zu gern tun würde. Denn da ist ja nichts zum kuscheln da, alles nur bretthart. Da stößt frau sich höchsten den Kopf.

Und wirklich sexy sieht Ronaldo nun auch nicht aus, eher ziemlich eingebildet und etwas hohl. Pieks eine Stricknadel rein (es muss ja schon etwas Längeres sein, um die Muskelschicht zu durchqueren) und er wird sich von innen heraus wie eine Luftmatratze zusammenknautschen, und dann wird diese teure Unterhose an seinen Knitterbeinchen herumschlottern und genauso billig aussehen wie eine von Kik.

Nichts auf der Welt ist eigentlich derart von Bestand wie etwas Lebendes, hatte er deshalb plötzlich letztes Jahr in einem kurzen metaphysischen Erkenntnisanflug begriffen und schnell ein Söhnchen bei einer Leihmutter in San Diego in Auftrag gegeben. Da kam er grad vom Shoppen, und alles, was er sich leisten konnte, hatte er schon und es stellte sich diese gesättigte Langeweile ein, dieser Überdruss am Leben, dem nur durch ein bisschen Fortpflanzung abzuhelfen ist…

“Mein Bruder ist sehr glücklich!” gestand Katia Aveiro, Ronaldos Schwester der „Diario de Noticias“. Und seine perplexe Mutter, die zu Hause in Vilamoura den Babysitter gibt, lässt ausrichten:

“Kein Kommentar”.

“To” – das Lieblingskürzel der Portugiesen

NaDenn 23. June 2010

Portugiesen – wie die meisten südländischen Völker – haben es gern anonym. Das fängt bei den – meist nicht vorhandenen – Straßenbezeichnungen an und hört bei ihnen zu Hause auf. Da gibt es nämlich keine Namensschilder an der Klingel und innen noch nicht einmal mehr Buchstaben an der Tür. Kurz gesagt – man findet sie nicht. Und wenn man sie anruft – selbst auf Festnetz – ist es oft nicht klar, ob die Stimme, die sich vorsichtig mit “To” meldet, wirklich zu der Person gehört, die man zu sprechen beabsichtigte. Und wenn man einen Portugiesen nach seiner Adresse fragt und man gehört nicht zum engsten Familien- oder Freundeskreis, antwortet er mit einer ausladenden Geste in nördliche oder westliche Richtung, die so viel heißt wie “da drüben irgendwo”.

Mit Portugiesen trifft man sich am besten erstmal im Café, bzw. ist es das, was ein Portugiese ohnehin immer zurerst macht. Da hat man eigentlich keine Wahl. Das Café ist sozusagen der Verhandlungsraum des Portugiesen – sei es nun, um ein Geschäft in die Wege zu leiten oder eine Liaison. Dann wird Essen gegangen. Portugiesen gehen für ihr Leben gern essen. Mittags und Abends in ein Restaurant, morgens für einen schnellen Cafezinho mit Croissants ins Café, Nachmittags für einen Kaffee und einen Bacalhao-Happen in die Bar, Frühabends auf einen schnellen Wursthappen in den Modelo – das ist einer der vielen Riesensupermärkte, die die Portugiesen genauso aufrichtig lieben.

Aber ich wollte ja von der Nicht-Auffindbarkeit der Portugiesen sprechen. Also: am Telefon melden sie sich fast grundsätzlich mit “To.” Das ist eine Algarvio-Abkürzung, bzw. Vokalaussparung – darüber können Sie in einem meiner früheren Artikel genaueres lesen – von “estou”, das heißt, ich bin (hier), was allerdings eine genauso schwache Lokal-Aussagekraft hat. Fragt man daraufhin nach dem Namen, ist es nicht sicher, dass man ihn genannt bekommt – erst wenn man bis ins kleinste Detail erzählt hat, wer man selber ist, warum man anruft, wie man überhaupt auf die Idee kommt, die Person am anderen Ende der Leitung sprechen zu wollen und was sie für einen Vorteil davon haben könnte, sich auf das Gespräch einzulassen – bekommt man eventuell eine dahingehende Antwort, oder auch nicht.

Meine Kollegin Elke wohnt in einem schönen, granitsteinernem Hochhaus mit Blick auf die Bucht von Lagos – und ich besuche sie gern. Allerdings habe ich mir bis heute nicht merken können, welches genau ihre Klingel ist. Es gibt da einige zur Auswahl: 1a, 1b, 1c, 1d, 2a, 2b, 2c, 2d, 3a, 3b, 3c, 3d, 4a, 4b, 4c, 4d.

Meistens löse ich das Problem so, dass ich mich mit meinem Oberkörper gegen das gesamte Klingel-Board lehne und dann, nachdem mir irgendwer Einlass gewährt hat, nochmal an jeder Wohnungstür extra klingele – bis mir endlich hinter 1a, 1b, 1c, 1d, 2a, 2b, 2c, 2d, 3a, 3b, 3c, 3d, 4a, 4b, 4c oder 4d – Moppel entgegenspringt – meiner Kollegin Köter, mein Lieblingshund.

Elendes Lagos – Algarve früher und heute

NaDenn 17. April 2010

1800 reiste der englische Schriftsteller Robert Southey an die Algarve und berichtet über Lagos folgendes:

“Die Stadt hat einen elenden Estalagem (Gasthof) ohne vernünftiges Dach wie gewöhnlich. Das erste, was wir sahen, war ein Gecko an der Mauer, eine Art Eidechse … Wir hatten Briefe von Gouverneur Connell an den Obristen hier … und nur mit Schwierigkeiten konnten wir ein Lachen unterdrücken, als wir ihm vorgestellt wurden. Er lag angezogen im Bett – im dunklen Raum einer Bruchbude – ein Armer in England wohnt besser. Er erhob sich von der Sesta (Mittagspause) und begab sich in seinen Amtssitz – weitläufige Räume in einem guten Hause von kalter Unbequemlichkeit. Nichts können wir hier kaufen, keinen Schinken … keine Rosinen, keine Mandeln – und das in einem Seehafen. … Überall beobachten uns die Kinder mit frechem Blick. Sie sind hier mit ihrer Unverschämtheit mehr als lästig. Wie leben eigentlich die Portugiesen? Ich habe nicht mehr als 200 Stück Rindvieh im Königreich gesehen. Fisch und Hülsenfrüchte und Brot! … In der Nähe von Faro sah ich einen Baum mit einem Storchennest darauf. Auf der Suche nach Kirchen … ist dieser Vogel darauf angewiesen, dort zu bauen, wo es möglich ist.”

Änderungen im 21. Jahrhundert:

1. Lagos hat in den letzen 210 Jahren an Gasthäusern und privaten Ferienunterkünften dazugewonnen, die sich allesamt durch dichte Dächer auszeichnen.

2. Die “Sesta”, die sich normalerweise von 12.00 Uhr mittags bis ca. halb fünf Uhr nachmittags erstreckte und ganze Wirtschaftszweige lahmlegte, ist in Portugal vor einigen Jahren offiziell abgeschafft worden. Allerdings haben noch viele kleinere Geschäfte zwischen 13.00 und 15.00 Uhr geschlossen.

3. Inzwischen gibt es durchaus gemütlichere portugiesische Wohnungen, allerdings zeichnen sich viele “Amtsstuben” noch immer durch eine erschreckende Ungemütlichkeit aus. Oft gibt es auch keine Heizung, sodass die (städtischen) Angestellten im Winter dick in Pullover und Jacken eingemummelt, mit klammen Fingern Formulare ausfüllen und die Tastaturen der Computer bedienen müssen.

4. In diversen kleineren und riesigen lokalen Supermärkten findet man heutzutage nahezu alles  – und sogar Lidl und Aldi gehört heutzutage zum Einkaufsangebot fast jeder größeren Stadt!

5. Die Kinder haben sich mittlerweile an ausländische Touristen gewöhnt und sind keinesfalls aufdringlich, sondern eher zurückhaltend und nett.

Sehr nette Kinder in Lagos

Sehr nette Kinder in Lagos

6. Die Störche stehen heute unter Naturschutz, nisten auf allem, was hoch genug ist und dürfen von dort auf keinen Fall verjagt werden. In Lagos habe ich gesehen, wie man erst neben dem alten Fabrikschornstein, auf dem sie ihr temporäres Zuhause eingerichtet hatten, ein ebensohohes Gerüst errichtete, auf das der Horst dann umgelagert wurde – bevor man den alten Schornstein niederreißen konnte.

Último Tag! On all items – Rabatt!

NaDenn 12. April 2010

SALE! Total-Ausverkauf! In the Hotel Algarve Casino in Portimão! Oriental Hand-made carpet sale! Einmalige Gelegenheit! Liquidação total!

Wenn Sie, liebe Algarve-Reisende sich sehr beeilen, kommen Sie noch rechtzeitig. Der Teppichtotalausverkauf aus den Beständen des recentemente falecido Sr. Zia, der in seinem traditionellen Teppichladen in oporto hochwertige carpets aus allen wichtigen Knüpfzentren der Welt gehortet hatte,  findet noch bis zum 15. April statt – also husch husch  in den Flieger! Portimão liegt dann auf der Strecke zwischen dem Flughafen Faro und unserem Ferienhausvermietungsbüro in Lagos, wo wir übrigens auch Englisch, Portugiesisch und Deutsch sprechen – allerdings nicht gemischt.

Und falls Sie bisher noch irgendwelche Zweifel gehegt haben sollten, darüber, ob Sie sich in Portugal überhaupt würden verständigen können – sind diese wohl hiermit aus der Welt geschaffen. An der Algarve spricht man alles. Die ganz alten Leute sprechen ihr Algarvío – gefärbt jeweils zusätzlich mit einem lokalen Einschlag, doch die jüngeren sprechen neben ihrem Portugiesisch fast ausnahmslos Englisch, wobei man sich nicht täuschen darf: Portugiesen sind zurückhaltend. Sie sagen, sie sprechen “a little bit” Englisch, und dann stellt man sich darauf ein und spricht sie nur mit einer sehr simplen, rudimentären Wortwahl an – und dann legen sie plötzlich los, und man hat Schwierigkeiten, ihnen verständnismäßig hinterherzukommen.

Algarvios, die heute so um die 60 sind, können auch Heimkehrer sein, die oftmals 20 Jahre oder mehr in Deutschland gearbeitet haben. Die sind dann immer hocherfreut, wenn sie ihre Deutschkenntnisse an den Mann bringen können – manchmal aber auch verschweigen sie sie absichtlich, um herauszufinden, was man – überzeugt, der Doofmann vor einem versteht kein Wort – wirklich von ihnen denkt. Auch Französisch ist in dieser Altersgruppe noch stark vertreten. Bis vor einigen Jahren war es in gebildeteren Kreisen ein Muss, französisch zu sprechen oder mindestens an der Sorbonne studiert zu haben.

Wenn ein Portugiese doch einmal mit seinem Latein am Ende ist, wird er normalerweise alles daran setzen, Ihnen trotzdem weiterzuhelfen. Er begleitet sie dann eben – wenn nötig quer durch die Stadt – dorthin, wonach Sie gefragt haben. Oder er ruft schnell seinen Vetter an, der in der Abendschule in Vila do Bispo Englisch lernt – und der gibt Ihnen dann die Wegbeschreibung über das Mobiltelefon durch.

Denken Sie immer daran: Urlaub an der Algarve is worth the money e vale o seu dinheiro!

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Spuk

NaDenn 11. August 2009

Ich war im CCL, das ist das Centro Cultural de Lagos, und dort tanzte das Nationalballett – in einem Tempo, das einem allein schon beim Zusehen den Atem raubte. Am Ende stand die ganze Crew in der Mitte der Bühne und sang im Chor. Keine Ahnung woher sie noch den Atem dazu nahmen, mich hätte man bereits nach zehn Minuten erstickt von der Bühne getragen.
Die Vorstellung begann um 22 Uhr – das ist noch eine moderate Zeit, normalerweise beginnen Konzerte um 23 Uhr und man macht sich zwei Stunden vor Mitternacht zusammen mit den Kids zum Abendessen auf. Nach einer statistischen Untersuchung ist Portugal die Nation in Europa, die am spätesten schlafen geht. Die Nacht gehört der Familie und den Freunden, wann sonst sollte man sie so entspannt sehen?
In einem Land, in dem Firmenmeetings morgens um zwei in Hotelzimmern abgehalten weren (die Angestellten hocken auf dem Boden oder zu siebt auf dem Bett), in dem das Kinderfernsehprogramm um Mitternacht endet, in dem sich die Betreiberin einer Modeagentur morgens um fünf (ein erster Streifen Rot ziert schon den Horizont) von ihrer Sektretärin die Termine der kommenden Woche durchgeben lässt – ist die Nacht zu schade, um sie in schnöder Bewusstlosigkeit im Bett zu verbringen.
Nachts ist die Luft klar. Himmel und Erde rücken ein wenig näher zusammen. Dazwischen wandeln wir: zielsicher. Alle uns umgebenden Dinge sind, was sie sind – und verharren wie selbstverständlich an ihrem Platz.

Der Spuk im Kulturzentrum war genauso schnell wieder vorbei wie er begonnen hatte: Um 22 Uhr fünf erloschen die Lichter im Auditorium, eine Stimme sagte, wir freuen uns, die Truppe des Nationalballetts bei uns begrüßen zu können, dann fing die Vorstellung ohne weiteren Kommentar an. Eine Pause nach 25 Minuten, dann straff weiter bis zum Finale, langer Applaus, Vorhang, – innerhalb von zehn Minuten war der Ort des Geschehens wie ausgestorben.
Der Portugiese genießt Kultur im Eiltempo. Phantastisch das Nationalballett, doch nun lasst uns noch flott einen Happen essen und dann schnell bei Filipe vorbei sehen und vielleicht später noch eine kleine Runde durch die Stadt.

Der Küstenwind fegt, die Touristen bummeln, die portugiesischen Jungs knutschen mit ihren Freundinnen, währenddessen sie am Handy fürs Morgengrauen Verabredungen treffen – nachher bei Zé, o.k, está bem, até logo, beijinhos, bis denn!

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