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Victoria und Daniel: doch nicht Algarve

NaDenn 29. June 2010

Tja leider war das nun doch ein Irrtum mit Victoria und Daniel in unserer Turteltauben-Ferienvilla Quinta do Ipês. Sie sind nämlich auf Tahiti abgestiegen – womit keiner gerechnet hat, weil es ja dort nun wirklich fast nur Sonne gibt. Und ich war mir so sicher: dieses Paar in Barão de São João, das da einen Tag nach dem 19.6. auftauchte und so extrem glücklich war und nicht voneinander lassen konnte, mit dem völlig zerzausten Haar.

Nun denn: das Prinzenpaar weilt auf einer Yacht im Südpazifik, doch viele andere glückliche Paare reisen an die Südküste Portugals:

  • weil man die mit dem Flugzeug von Deutschland aus in 2,5 Stunden erreichen kann.
  • weil es da auch noch jede Menge einsame Buchten mit blendend weißem Sand und tiefblauem Meer und romantischen Sonnenuntergängen gibt

Lauschige Plätzchen - blaue Weite
Lauschige Plätzchen – blaue Weite

  • weil das Küstenhinterland endlose Möglichkeiten für lange, engumschlungene Spaziergänge in  Pinienwäldchen, Eukalyptusplantagen und Zitrushainen inklusive Schäferstündchen unter Ölbäumen bietet.
  • weil sich in jeder Bar, Hafenkneipe oder tollen Fischrestaurant 1. immer ein guter Hauswein und 2. fast immer ein verstecktes Plätzchen für stundenlanges In-die-Augen-Sehen findet.
  • weil des Sommernachts in den Küstenorten der Bär tanzt.
  • und die Volkskunst hier unschlagbar ist ;-)

Schönes aus Canas*
Schönes aus Canas*

(*Canas: portugiesische Bambusart)

Malerei im Centro Cultural de Vila do Bispo

NaDenn 17. September 2009

Zé Ronaldo – diesen Namen sollte man sich merken, ist der Künstler, der vom 29.08. bis 13.9. im Centro Cultural de Vila do Bispo seine Ölgemälde ausgestellt hat. Leider sah ich sie erst am letzten Tag, weshalb es sich nicht mehr lohnte darüber zu bloggen und somit auf die Ausstellung hinzuweisen. Aber ich möchte sie im Nachhinein beschreiben, weil sie mir so gut gefiel – und vielleicht stellt Senhor Zé ja nochmal in der Gegend aus – und dann erinnern Sie sich vielleicht an ihn.

Herr Zé malt viel und wahrscheinlich täglich, ich stelle ihn mir klein und etwas korpulent vor mit wenig Haar, aber einem fülligen auf und ab wippenden Schnurrbart. Er ist jetzt pensioniert, was es ihm erlaubt  bereits morgens bei Sonnenaufgang mit seiner Staffelei an der Küste zu stehen, es ist noch recht kühl, er trägt eine dicke, reinwollende Strickjacke und dazu einen flachen, graubraunkarierten Boné (Flachkappe der Portugiesen mit kleinem Schild).

Erst liegt das Meer noch im Dunkeln, aber nach und nach wird es am Horizont immer heller, bis plötzlich der Sonnenball erscheint und es hellblau aufblitzen lässt. Ein Angler, der auch ganz früh aufgestanden ist, steht schon hoch oben auf den Klippen. Er sieht sehr lebendig aus, nicht so eine steife, regungslose Gestalt, die man eben mit ein paar Geraden andeuten könnte, sondern scheint mitten in seiner Bewegung nach dem Ruteauswerfen eingefangen – und ist ungefähr 4 Meter groß.

Denn mit der Perspektive hat Senhor Ronaldo es nicht so. Aber das bemerkt nur ein guter Beobachter, oder eine, die selber zeichnen gelernt hat, aber nun nur noch an anderen herumkrittelt – wie ich.
Es sind in der Hauptsache Perspektivverschiebungen. Das Auge erwartet andere Größenunterschiede, aber wird jäh darin ausgebremst: die in ihrer modernen Kleidung und merkwürdig eindimensionalen Knien sehr präsente Hühnerfütterin im Vordergrund vor dem halbverfallenen, flachen Gebäude im Geflügelhof ist eine Hünin. Hinter ihr, kaum dass sie aus dem Dunkel des Stalls hervortreten, Zwergenvater und -bruder. Sie sind sehr stolz: nie zuvor hat es in ihrer Familie solch ein gesundes, riesiges Wesen gegeben. Ihre ganze Liebe hängt an dieser kraftstrotzenden, jungen Frau. Auch die Kühe auf der Weide in ihrem Rahmen an der Wand links sind beeindruckt. Gleichzeitig aber scheint es ihnen nicht recht, dass sie hier abgebildet werden.  “Wehe, du fotografierst auch noch!” sagt ihr Blick.

Es gibt eine Reihe von Bildern, die ein altes, wenngleich noch bewirtschaftetes Bauerngehöft inmitten der sommerlich kargen, flachen Landschaft der Küste zeigen. Drei Pferde auf der Weide – auch sie warnend den Maler auf Distanz haltend. Und noch ein Tier: eine Ziege auf einem Felsstück “um cabrito sobre as rochas” – das Portrait kam ihr zu überraschend, keine Zeit mehr, sich eben zu Hause zurecht zu machen, weshalb auch sie nicht eben entspannt lächelt.

Und immer wieder der Rot-Ton der Abendsonne über der Landschaft, das Licht des Südens, das die Konturen der Dinge auf so eine andersartige Weise hervortreten lässt. Hier ein Liebespaar auf einer Blumenwiese vor blauer, untergehender Kulisse: Sie trägt den traditionellen Blumenhaarkranz, allerdings ist er ihr unters Kinn gerutscht, dazu eine bluschige Bluse und darüber eine Stola, die ihren irgendwie missratenen Leib nur unzureichend kaschiert. Ihr Galan ist alterslos – ein glattes Gesicht, das an den jungen Michael Jackson erinnert, dagegen ist sein Unterarm, der im Gewurschtel des Oberkörpers seiner Geliebten verschwindet, erstaunlich kräftig und behaart. Sie stehen auf einem herzförmigen Stein, sie begehren sich, aber können – so ein Mist – nicht zueinander finden: ihr ausgestreckter Arm lässt sich nicht beugen und der Kranz, der ihr gleichzeitig Kinn und Hals ersetzt, ist auf jedem Fall im Weg!

Zuletzt noch “As banhistas” – die Badenden, ein klassisches Sujet. Im Hintergrund an den ans Ufer schwappenden Wellenausläufern eine schöne Nackte in der Rückenansicht; vorn, mit Blick auf den Betrachter dann das Main-Couple: Sie rafft über dem Kopf ihren Haarbusch zusammen, der etwas vom Skalp verrutscht zu sein scheint, ansonsten aber ist an ihr nichts auszusetzen: die “Geburt der Venus” von Botticelli in einer erstaunlich guten Kopie. Aber ihr Begleiter ist klasse. (Und deshalb liebe ich solche Laien-Bilder wirklich. Sie sind so unbekümmert. Hier hat jemand wirklich Freude am Malen, und er malt so, wie er kann, und am Ende hat er ausgedrückt was ihm auf dem Herzen lag, und dann hat ihn auch noch Filomena vom Kulturzentrum gefragt, ob er das alles mal ausstellen will.)

Der Freund der Venus, keusch mit einem Badetuch über die entscheidenden Stellen des haarlosen Körpers drapiert, ist ein etwas geschöntes Portrait von Miguél, dem dreiundzwanzigjährigen Sohn des Apothekers, der in Faro Sprachen studiert, und eines Sonntag Morgens für Zé gesessen hat: etwas scheu unter der Baseballkappe – und mit I-Pod Stöpseln im Ohr.

Kunst und andere Gestalten

NaDenn 10. April 2009

Freundliche Vögel stehen beisammen auf dünnen, geraden Beinen und unterhalten sich, sehr leise, denn es gibt auch noch einen komischen Mann mit einer Art Halskrause im Gesicht. Der scheint aufzupassen, aber er hat keine Ohren,  schweigsame Gestalten insgesamt, dieser Haufen – alle aus Stein.

Daneben an der Wand Fotos von Leuten in einer Bushaltestelle, typisch portugiesisch, schmucklos: eine harte Steinbank und gerade mal ein Dach gegen Sonne und Wind. Mal nimmt grad eine Familie Platz, mal gibt’s einzelne Wanderer, mal ist niemand zu sehen. Das Mittel der Serie, die Zeit sichtbar macht, Zufälle protokolliert und Gegenwart erklärt.

Unten im blauen Pool treiben pinke Gummibälle, manchmal in ihren Bahnen sanft gebremst von unter der Wasseroberfläche träge einher torkelnden schwarzen Ballons, die je nach Gewicht mehr oben oder näher dem Boden taumeln. Die meisten von ihnen versammeln sich um eine enge Verwandte, einen großen silbernen Unterwasserball, der Geschichten erzählt: “Könnt ihr euch noch erinnern, Kinder … damals, als wir noch nicht Kunst waren und noch mit Luft gefüllt…”

Die Villa, in der die Ausstellung stattfindet, steht zum Verkauf, wie eigentlich alle umliegenden, neu erbauten Villen in dieser Gegend hier, hoch über dem Praia do Porto de Mós. “Open House” ist der Titel der Schau, fünf regionale KünstlerInnen sind daran beteiligt – António Alonso, Christina Kuhn Cruzes, Jorge Pereira, Teresa Dias Coelho und Vera Faria Gonçalves.

Da wir in Portugal sind und nicht in Düsseldorf ist pünktlich zur Eröfffnung auch nur eine Künstlerin anwesend. Aber der Poolkünstler kommt schnell herbeigeeilt mit einem gerade fertiggestellten Exponat unter dem Arm – auch gibt es noch keine Namensschildchen neben den Werken und die Preise sind noch nicht angeklebt.
Allerdings macht das nichts – ich finde vielmehr, dass die Namen oft irritieren. Wenn man die Künstler nicht kennt, sind sie ohnehin nur Zierde, aber man fühlt sich gezwungen, sie zu lesen, genauso wie den Preis, den man sich oft noch weniger erklären kann.

So sieht man sich als nächstes eine kniehohe Pappröhre an. Sie hat Beine und einen Hut auf und ein Gesicht angemalt und steht am Rande von einem Sockel – und man guckt gerade deshalb hin, weil sie nicht in der Mitte steht. Erst sagt sie guten Tag, dann verweist sie auf die Waschbretter, die an der Wand lehnen und bunt angemalt sind.

Das macht nicht viel Sinn, finde ich, ist aber egal, weil es Spaß macht. Vielleicht macht es auch einen ernsteren Sinn, aber der Künstler ist eben noch nicht da, um es zu erklären; vielleicht erinnern ihn die Waschbretter an etwas: Kindheit, Karneval, Vergangenheit, Zukunft, Leben, Liebe, Sterben….Ich will immer alles erklärt haben, und deshalb ist es manchmal nur gut, wenn die Künstler zu spät zu ihren Exponaten kommen. Dann bin ich gezwungen, sie undefiniert auf mich einwirken zu lassen, dann leg ich mich in einem der oberen Räume auf den Wildtierimitatteppich (ist das nicht ein tolles Wort?) und lasse das Telefon über mir bimmeln…und seh mir Maria an, die nur echt aussieht, aber in Wirklichkeit Bild ist und gesprüht, mit der Kalaschnikov in der Hand.