Und noch dies

Kleine Besucher – mückenlose Algarve-Ferien

NaDenn 20. July 2010

imagem_osga

Stark vergrößerter Osga

Was wir oben im Bild sehen ist ein Osga. Das ist auf Deutsch ein Gecko, was aber wohl auch nicht wirklich deutsch ist. Es gibt in Portugal drei Sorten dieses kleinen, niedlichen, im Schnitt 10 cm großen (inklusiv Schwanz) sehr scheuen Reptilien, nämlich die türkische, die arabische und noch eine Art, die nur auf Madeira zu finden ist. Der arabische Osga kommt am häufigsten vor – auch in meinem Quintal (betonierter Vorgarten) leben ein paar, die ich aber leider immer nur weghuschen sehen kann, wenn ich mal einen Stein hochhebe oder in meiner Holzkiste mit dem Werkzeug wühle – ihr zur Zeit beliebtestes Zuhause.

Osgas machen Winterschlaf und erwachen erst wenn es wärmer wird aus ihrer Starre, dann allerdings sind sie auf die allergrößte Hitze auch nicht so sehr scharf, sondern harren brav in Schattenverstecken, bis die Nacht herannaht. Dann gehen sie auf die Jagd.

Käfer, Ameisen, Pflanzen stehen auf ihrem Speiseplan, besonders delikat allerdings sind ihnen die Mücken – überhaupt all diese kleinen Viecher, die uns Menschen gerne das Blut aussaugen – so gesehen sind sie also unsere Freunde – und wir sollten ihnen sehr dankbar sein!

Osgas sind auch keinesfalls giftig oder übertragen gefährliche Krankheiten – das tun da schon viel eher die Mücken und Wespen und Tse-Tse-Fliegen. Sie beißen nicht und schleichen sich auch nicht heimlich in Menschenbetten um spätheimkehrende Feriengäste in die Zehen zu zwicken.

Falls Sie daher in Ihrem Algarve Ferienhaus oder Ferienwohnung von Vilalaia auf einen Osga stoßen sollten, tun Sie ihm bitte nichts an. Öffnen Sie stattdessen die Verandatür und geben ihm zu verstehen, dass da der Ausgang ist. Manchmal verirren sich die Tierchen und finden allein nicht mehr raus. Neugeborene Osgas haben  übrigens auf einer Fingerspitze Platz, da krallen sie sich dann mit ihren knolligen Fingerkuppen fest und sehen einen mit ihren ballonförmig hervorquellenden Augen lange an. Was ist das nun wieder für ein merkwüdiges Lebewesen? – denken sie.

Cremen, cremen, cremen!

NaDenn 16. July 2010

Jetzt ist Hauptsaison an der Algarve – die beliebten Strände  Meia Praia und Praia Dona Ana sind voll und das Meer lädt zum Drinplantschen, Draufsegeln, Eintauchen, Surfen und Schwimmen ein. Es ist aber nicht sehr warm – jedenfalls nicht so, wie man es beispielsweise vom Mittelmeer gewohnt ist, das ja im Sommer eher einer warmen Brühe gleicht – eine grässliche Erinnerung seit ich an Portugals Küste lebe.

Es kommt auf den Wind an. Weht er aus dem (heißen) Landesinneren her aufs Meer, steigen auch die Wassertemperaturen vor der Küste. Weht er dagegen vom Meer Richtung Land, ist das Wasser recht kalt, dafür aber erfrischend – was hat man von einem Bad, wenn die Temperaturunterschiede zu Lande und zu Wasser nicht mehr vorhanden sind?

Standurlaubende Algarve Touristen und Portugiesen kann man nicht nur an ihrer unterschiedlichen Hauttönung, sondern auch an einigen anderen Merkmalen erkennen:

Der Portugiese geht grundsätzlich niemals allein an den Strand! Auch Paare räkeln sich viel lieber in der Gruppe im Sand als nur zu zweit. Meistens wohnt auch noch eine Handvoll jüngerer Geschwister dem Liebesgeturtel bei, und vielleicht noch eine entfernte Cousine mit ihren Freundinnen und ein Onkel aus Porto mit der Familie und später kommt noch die Oma mit ihrem kurzbeinigen Köter, und am Abend schaut noch die arbeitende Verwandtschaft vorbei.

Und: es wird immer Fußball gespielt. Sobald auch nur drei kleine Jungs und ein etwas älterer Jugendlicher anwesend sind, wird gekickt.

Und achten Sie mal drauf: trotzdem die meisten Portugiesen ehr dunkelhäutig sind und deshalb von Natur aus weniger zu einem Sonnenbrand neigen, cremen sie, was das Zeug hält. Im Grunde kreist eigentlich immer grad irgendeine Tube. Und wer aus dem Wasser kommt, cremt sich sofort wieder ein, und wer 10 Minuten nur im Sand gelegen hat, muss dringend nachcremen und alleman cremen dann die Kinder ein.

Letztens am Meia Praia habe ich sage und schreibe fünf! Erwachsene dabei beobachtet, wie sie einen einzigen kleinen Jungen eincremten. Der eine das Gesicht, die anderen vier jeweils einen Arm oder ein Bein – und das ungefähr jeder halbe Stunde, ausgiebig und mit nicht nachlassender Intensität. Der Junge fand das ganz in Ordnung, hatte ich das Gefühl. Wahrscheinlich bekam er dabei Geschichten erzählt oder die Welt erklärt – oder er erzählte selber aus seinem Leben – ich war zu weit weg, um etwas hören zu können.

Besonders käsige und empfindliche Algarve Urlauber sollten übrigens ihren extremlichtschutzhohen Sonnenschutz von zu Hause mitbringen. Den gibts hier nämlich nicht – bzw. nur in den Apotheken zu einem horrenden Preis. Dagegen kann man inzwischen Cremes bis zu einem Faktor von 25 relativ preiswert bei Lidl oder Aldi Portugal erstehen.

Algarve – Meerblick, Möwen und beliebte Butterbrote

NaDenn 20. June 2010

Liebe Algarve-Urlauber – sollten Sie sich entschließen Ihren Sommerurlaub in dem Algarve Ferienhaus “The View Factory “ hoch über dem Meer in Salema zu verbringen, bekommen Sie sicher öfter mal Besuch von einer Möwe. Bitten Sie sie herein und zeigen Sie ihr an Ihrem Laptop diesen Artikel (das Ferienhaus hat in allen Räumen Internetzutritt). Möwen wissen oft nicht, dass wir Menschen ein näheres Interesse an ihnen haben – dies wird sich dann endlich rumsprechen und sie werden uns in Zukunft vielleicht freudiger begrüßen, wenn sie mit uns zusammen einen Tag am Strand verleben.

The View Factory - Luxusferienvilla in Salema
The View Factory – Luxusferien-Villa in Salema

Alles über Möwen

Möwen schreiten. Sie tasten sich erst mit den Zehen vor und treten dann ganz auf. So ruckeln sie weiter, Schritt für Schritt. Das sieht irgendwie erhaben aus, auch elegant, obwohl sie von ihrer Statur her ehr knubbelig sind. Kommen sie näher ran, erkennt man ihren frustrierten Blick. Da können sie nichts zu, selbst wenn sie gute Laune haben, wirken sie unzufrieden. Das macht die Schnabelform, bzw. die des Oberschnabels, der am Ende eine Krümmung hat.

Möwen haben drei Zehen vorne, die durch Schwimmhäute miteinander verbunden sind und einen sehr kurzen, kräftigen Zeh hinten – der fehlt aber bei manchen Arten, sodass er fürs Gleichgewicht nicht allzu wichtig zu sein scheint.

Möwen werden bis zu 30 Jahre alt. Sie haben also die Möglichkeit ein und die selbe Möwe mit 18 und mit 48 Jahren zu treffen – schade also, dass wir nicht dieselbe Sprache sprechen. Möwen sprechen allerdings weniger, sondern schreien ehr. Sie stoßen sehr grelle, sehr kräftige, sehr unfreundlich klingende, langgezogene Rufe aus – und das am liebsten noch in Reihe, da sie sehr gesellig sind und meistens zu mehreren um die Häuser ziehen. Manchmal sitzen wir in unserem Büro für Algarve Ferienhaus Vermietung und ihr Krakeel echot zwischen den Betonwänden der Häuser, und wir würden am liebsten ebenfalls schreien, um Ruhe – aber es nützt ja nichts, deswegen hoffe ich, dass diesen Artikel nun eine Möwe liest.

Möwen sind Allesfresser, lieber als Aas ist ihnen allerdings frischer Fisch, weggeworfene Butterbrote und kleine Nagetiere. Wenn sie das alles nicht selbst erbeuten müssen, um so besser – oft jagen sie deshalb einfach anderen Vögeln ihr Mittagessen ab. Ihren Durst stillen Möwen mit Meerwasser, sie schießen dann plötzlich runter auf die glitzernde Wasseroberfläche und nehmen einen kräftigen Schluck, dessen Salz durch links und rechts am Schnabel angebrachte Drüsen wieder ausgeschieden wird.

Die Männchen sind etwas größer als die Weibchen, unterscheiden sich von ihnen aber ansonsten nicht. Möwen haben lange, schmale Flügel, die die Voraussetzung sind für ihr stundenlanges Segeln vor azurblauer Kulisse – und wer dieses Prinzip gerne näher untersuchen möchte, kann sich hier eine eigene Möwe basteln.

Erinnerungen, Einkaufstaschen und die Weite Welt

NaDenn 17. June 2010

Ich geh in Lagos an der Algarve die “Avenida dos Descobrimentos” hinunter, ich seh auf die Bucht und denke, wie privilegiert ich doch bin, an einem Ort leben zu dürfen, der für viele gestresste, Ruhe bedürftige, Strand liebende, Felsküsten begeisterte Deutsche ein heiß begehrtes Urlaubsziel ist: die Algarve! – Ich schlender also unter südwestlicher Sonne, summe sogar ein bisschen vor mich hin – und seh plötzlich, etwa 20 Meter von mir entfernt, Frau Wentoff, unsere alte Nachbarin, mit einer ausgeleierten Stoffeinkaufstasche die Straße queren.

Komisch, denk ich, die hat sich gar nicht verändert, bzw. die läuft in ihrem Algarve Urlaub genauso rum wie wenn sie nicht in Urlaub ist und zu Hause nur eben für sich und ihren Mann bei REWE Einkäufe macht. Dieselbe Kleidung: festes Schuhwerk, silbrig schimmernde Nylonstrümpfe, wadenlanger Wollrock, ein gestricktes Sommerpullöverchen mit Dreiviertelarm.

Ich beschleunige meinen Schritt und rufe dabei – erfreut, jemand aus meinem früheren Leben zu treffen – da wendet sich die Mutter meines besten Sandkastenfreundes um … und ist es gar nicht. Nur auf den ersten Blick, aber auf den zweiten und dritten nicht ansatzweise. Sie ist auch viel jünger und offensichtlich Portugiesin, denn der Pullover ist ihr mindestens 2 Größen zu klein – für Portugiesinnen kann Kleidung nicht eng genug sitzen – aber Frau Wentoff, da bin ich mir sicher, teilt diese südländische Neigung nicht.

Kennen Sie das auch?

Die Welt wird immer kleiner. Seit wir mit dem Flugzeug in Null komma Nichts überall hinreisen können, treffen wir in aller Herren Länder Bekannte wieder. Nicht wirklich – zwar kann es vorkommen, dass einem plötzlich in Bolivien auf einem Seitenarm des Rio Grande ein entfernter Cousin in seinem Paddelboot entgegenschippert – aber das meine ich nicht: ich meine damit, dass je größer der Radius wird, die Unterschiedlichkeiten umso kleiner werden. Das menschliche Motorikrepertoire und die Gestik haben eben ihre Grenzen, und innerhalb derer müssen sich alle Menschen und alle Nationen und alle Völker ihre Individualitäten aufteilen.

Und so kommt es eben, dass es eine Frau Wentoff in Uganda und in Paraguy und  in einem Ferienhaus an der Algarve und in Amsterdam und im Urwald in einer Rundhütte gibt, die in einigen von uns Erinnerungen wachruft, die eigentlich gar nichts mit ihr zu tun haben – und dann auf eine gewisse Art wieder doch.

Bob Terwilliger überfällt Ecomarchée in Budens / Algarve!

NaDenn 7. October 2009

Unsere Kinder werden älter, erst sehen sie aus wie kleine, dicke Knubbel und man kann vage eine Ähnlichkeit zu Mutter und Vater herauslesen – dann sind sie eine Zeitlang recht picklig – und dann: haben sie es plötzlich geschafft! Sie erstrahlen in einem neuen Glanz.

Ana sieht aus wie die 17-jährige Virginia Teunematten, kurz bevor sie Lion Bronti ehelichte und in die Villa Orlando einzog; Kathrin wie die junge Jane Mansfield, als sie gerade an der Southern Methodist University/Meadows School of the Arts (alles aus Wikipedia) Kunst studierte und noch nicht wasserstoffgebleicht war, Karin wie sie selbst, Merlin nicht wie ein Zauberer und Marco  – wie Bob Terwilliger.

Die Ähnlichkeit ist frappierend. Man ist sich nicht sicher, ob Marco, dieser bis vor kurzem noch nägelkauende, von den Pubertätswirren völlig in Anspruch genommene Halbwüchsige, wirklich derart mutiert sein kann – oder ob vielmehr Bob Terwilliger alias Sideshow Bob direkt aus den Simpsons hier an die Supermarktkasse im Ecomarchée in Budens gesprungen ist, bzw. wir Anwesenden gerade alle als Statisten in einer neuen Simpsonsfolge auftreten, gleich eine Knarre vorgehalten bekommen und flach am Boden liegend dem Kassenraub beiwohnen dürfen – ind mein Sohn und sein Vater hocken 2 Kilometer entfernt auf dem Sofa vor dem Fernseher und sehen zu.

“Guck mal”, sagt Oskar, “da ist ja der Marco – und neben ihm seine Mutter, und  da vorn, ist das nicht Filomena Boto, die nette Kassiererin, die mit dem Hinkebein, die grad die vielen Münzen in die Tüte kippt?” Und dann sehen sie mich.

Ich wechsel grad vorsichtig von der Bauch- in die Seitenlage – diese portugiesischen Steinfußböden sind alles andere als bequem – und überlege mir, wie ich mich unauffällig bis zur Käsetheke und von da aus im Schutz der Kaffeebar durch den Hinterausgang nach draußen robben könnte, als FAT TONY in der großen Eingangstür erscheint, – bzw. Jörg, der Elsässer, aber er sieht haargenau so aus – dem die Eisfabrik hinter Portelas gehört.

Nun kommt er in wenigen, raschen Schritten auf mich zu und hilft mir auf.  “Gestürzt?” fragt er, und klopft den Staub von mir ab, “komm wir trinken einen Kaffee und essen ein Pastel de Nata dazu. Du siehst aus, als könntest du eine kleine Stärkung gebrauchen.”

Nächste Einträge »