Drei Ukrainer bauen einen Pool

NaDenn 8. March 2009

Wenn man hier in der Algarve ganz flott und sehr billig etwas bauen will, ruft man die Ukrainer an. Die sind untersetzt, muskulös, hart im Nehmen, wetterresistent und trinkfest – alles Eigenschaften, die für Schuftereien im Regen, bei Sturm oder unter sengender Sonne von Vorteil sind.

Sie tragen farbbekleckerte Jeans, zerrissene Parka und die meisten eine Schildkappe auf dem zerzausten, stumpfen Haar. Zu Hause waren sie Ärzte, Bildende Künstler oder Philosophieprofessoren, in der Fremde ziehen sie Mauern hoch, verlegen Mosaike oder heben Gruben aus. Ich schreibe Geschichten, aber würde man von mir verlangen, in der Ukraine ein Schwimmbecken zu fliesen stünde ich ziemlich blöde da.

Der Pool ist aus Plastik und wird auf meiner ehemaligen Terasse aufgestellt. Man muss Stangen in Laschen und Schlaufen hineinschieben, etwas hakt immer, der irische Hausbesitzer flucht und ächzt, die Akademiker bewahren die Ruhe. Endlich steht das Ding; nun muss noch eine Mauer drum herum gebaut werden, später sollen deutsche oder spanische oder französische Feriengäste auf deren schmalen Grad in der Sonne dösen. Der Zement in den Fugen beinhaltet Träume von weit entfernten Landschaften, Taigas und Mädchen mit roten Bommeln auf den Hüten, jedenfalls ist es das, was ich mit den Weiten des Ostens verbinde – und bunte Tücher, unter denen alte Mütterchen halb verschwinden, nur ein paar tiefe Falten und zwei Eckzähne ragen noch raus.

Der Philosoph mischt den Zement, der Halsnasenohrenarzt setzt Stein auf Stein in einem irren Tempo, er weiß aus Erfahrung, was der stete Wind mit den Nebenhöhlen anrichten kann, dann höre ich Musik und ein Auto hält direkt vor meiner Tür. Ein Männlein so breit wie hoch arbeitet sich hinter dem Fahrersitz hervor, streckt sich, reißt sich das Hemd vom Leib, puh! was für ‘ne Hitze, dabei sind es heute noch nicht einmal acht Grad. Sein Unterhemd ist die amerikanische Flagge, alle fünfzig Staatensterne sind vorn auf seinem Bauch zu sehen, kurzes Hallo – Freischneider aus dem Kofferraum gehieft, umgeschnallt – und der Spezialist für aquarellierte Landschaftssujets rückt dem verwilderten Rasen neben dem Grundstück zu Leibe. Vorher aber dreht er noch schnell die Anlage im Auto auf volle Lautstärke auf.

Und so hören wir in einem portugiesischen Dorf nahe der Steilküste nicht nur Hundegeheul, Zementmischen, Nachbarngeschwätz, Betrunkenengegröhle, Spachtelkratzen, Kindergeschrei – sondern auch den großen RICHARD CLAYDERMAN das Piano streicheln: weichgezeichneter Vormittag, sanfte Fugen, flauschiger Klangteppich – und dazwischen die Motorsense krrrrrrrrrrrr brrrrrrrrummm!

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