Archiv für das Tag 'Algarve'

Cremen, cremen, cremen!

NaDenn 16. July 2010

Jetzt ist Hauptsaison an der Algarve – die beliebten Strände  Meia Praia und Praia Dona Ana sind voll und das Meer lädt zum Drinplantschen, Draufsegeln, Eintauchen, Surfen und Schwimmen ein. Es ist aber nicht sehr warm – jedenfalls nicht so, wie man es beispielsweise vom Mittelmeer gewohnt ist, das ja im Sommer eher einer warmen Brühe gleicht – eine grässliche Erinnerung seit ich an Portugals Küste lebe.

Es kommt auf den Wind an. Weht er aus dem (heißen) Landesinneren her aufs Meer, steigen auch die Wassertemperaturen vor der Küste. Weht er dagegen vom Meer Richtung Land, ist das Wasser recht kalt, dafür aber erfrischend – was hat man von einem Bad, wenn die Temperaturunterschiede zu Lande und zu Wasser nicht mehr vorhanden sind?

Standurlaubende Algarve Touristen und Portugiesen kann man nicht nur an ihrer unterschiedlichen Hauttönung, sondern auch an einigen anderen Merkmalen erkennen:

Der Portugiese geht grundsätzlich niemals allein an den Strand! Auch Paare räkeln sich viel lieber in der Gruppe im Sand als nur zu zweit. Meistens wohnt auch noch eine Handvoll jüngerer Geschwister dem Liebesgeturtel bei, und vielleicht noch eine entfernte Cousine mit ihren Freundinnen und ein Onkel aus Porto mit der Familie und später kommt noch die Oma mit ihrem kurzbeinigen Köter, und am Abend schaut noch die arbeitende Verwandtschaft vorbei.

Und: es wird immer Fußball gespielt. Sobald auch nur drei kleine Jungs und ein etwas älterer Jugendlicher anwesend sind, wird gekickt.

Und achten Sie mal drauf: trotzdem die meisten Portugiesen ehr dunkelhäutig sind und deshalb von Natur aus weniger zu einem Sonnenbrand neigen, cremen sie, was das Zeug hält. Im Grunde kreist eigentlich immer grad irgendeine Tube. Und wer aus dem Wasser kommt, cremt sich sofort wieder ein, und wer 10 Minuten nur im Sand gelegen hat, muss dringend nachcremen und alleman cremen dann die Kinder ein.

Letztens am Meia Praia habe ich sage und schreibe fünf! Erwachsene dabei beobachtet, wie sie einen einzigen kleinen Jungen eincremten. Der eine das Gesicht, die anderen vier jeweils einen Arm oder ein Bein – und das ungefähr jeder halbe Stunde, ausgiebig und mit nicht nachlassender Intensität. Der Junge fand das ganz in Ordnung, hatte ich das Gefühl. Wahrscheinlich bekam er dabei Geschichten erzählt oder die Welt erklärt – oder er erzählte selber aus seinem Leben – ich war zu weit weg, um etwas hören zu können.

Besonders käsige und empfindliche Algarve Urlauber sollten übrigens ihren extremlichtschutzhohen Sonnenschutz von zu Hause mitbringen. Den gibts hier nämlich nicht – bzw. nur in den Apotheken zu einem horrenden Preis. Dagegen kann man inzwischen Cremes bis zu einem Faktor von 25 relativ preiswert bei Lidl oder Aldi Portugal erstehen.

Ganz geheim! Prinzessin und Trainer in der Quinta do Ipês!

NaDenn 26. June 2010

Das Hochzeitsreise-Ziel von Victoria und Fittnesstrainer hatte ja eigentlich ein Geheimnis bleiben sollen, aber nun will ich es doch verraten:

Sie sind – in der Ferienvilla Quinta do Ipes abgestiegen, unserer schnuckeligen traditionell portugiesischen Honeymoon-Villa mit dem niedrigen Schlafzimmer im Obergeschoss, das aber mit seinem 140cm breiten Bett dadurch eine umso kuscheligere Atmosphäre bietet.

Die Paparazzis hatten natürlich schon im Vorfeld an allen nur irgend denkbaren Urlaubsorten Aufstellung genommen – einschließlich zahlreicher Biobauernhöfe in Schweden, denn über eines war man sich unter fast allen Medienkommentatoren sicher, dass ein tatenloses Herumräkeln unter sengender Sonne wohl eher nicht zu den Vorlieben des frisch vermählten Fürstenpaares gerechnet werden dürfte.

Doch nun: dennoch der Süden – immerhin allerdings noch Europa, wenn auch der westlichste Zipfel, da wo der Kontinent schließlich ins Meer fällt – geschichtsträchtiger Schauplatz und gutwetterverwöhnter,  aber eben nicht zu heißer Landstrich zugleich.

Die 2-Schlafzimmer-Ferienvilla Quinta do Ipês bietet Platz für ein Prinzenpaar, eine Zofe und einen Diener, sowie in der Küche für einen französichen Koch, der allerdings außerhalb übernachten muss. Sie ist äußerst ruhig gelegen in einem wunderschönen, mit exotischen Pflanzen angelegten Garten, lauschigen Jungvermählten-Ecken, romantischen Turtel-Nieschen, blickdichten Gebüschen und idyllisch verträumten Rosenwinkeln. Ein  kleine Wasserfall bietet eine schnelle Pulsabkühlmöglichkeit bei allzugroßer Überhitzung und für ein Kräfte stärkendes Unterwasser-Workout findet sich ausreichend Platz im privaten Pool.

Ganz nah gelegen übrigens ist Barão de São João, das ehemalige Hippiedorf, in dem eigentlich immer etwas los ist. Achten Sie dort doch einmal in den nächsten drei Wochen auf ein seelig dauergrinsendes Paar mit blonder, langer Locken-, bzw. rostroter, welliger Kurzhaarperücke.

Nur Sie, exklusiv als meine Leser, werden wissen warum!

“To” – das Lieblingskürzel der Portugiesen

NaDenn 23. June 2010

Portugiesen – wie die meisten südländischen Völker – haben es gern anonym. Das fängt bei den – meist nicht vorhandenen – Straßenbezeichnungen an und hört bei ihnen zu Hause auf. Da gibt es nämlich keine Namensschilder an der Klingel und innen noch nicht einmal mehr Buchstaben an der Tür. Kurz gesagt – man findet sie nicht. Und wenn man sie anruft – selbst auf Festnetz – ist es oft nicht klar, ob die Stimme, die sich vorsichtig mit “To” meldet, wirklich zu der Person gehört, die man zu sprechen beabsichtigte. Und wenn man einen Portugiesen nach seiner Adresse fragt und man gehört nicht zum engsten Familien- oder Freundeskreis, antwortet er mit einer ausladenden Geste in nördliche oder westliche Richtung, die so viel heißt wie “da drüben irgendwo”.

Mit Portugiesen trifft man sich am besten erstmal im Café, bzw. ist es das, was ein Portugiese ohnehin immer zurerst macht. Da hat man eigentlich keine Wahl. Das Café ist sozusagen der Verhandlungsraum des Portugiesen – sei es nun, um ein Geschäft in die Wege zu leiten oder eine Liaison. Dann wird Essen gegangen. Portugiesen gehen für ihr Leben gern essen. Mittags und Abends in ein Restaurant, morgens für einen schnellen Cafezinho mit Croissants ins Café, Nachmittags für einen Kaffee und einen Bacalhao-Happen in die Bar, Frühabends auf einen schnellen Wursthappen in den Modelo – das ist einer der vielen Riesensupermärkte, die die Portugiesen genauso aufrichtig lieben.

Aber ich wollte ja von der Nicht-Auffindbarkeit der Portugiesen sprechen. Also: am Telefon melden sie sich fast grundsätzlich mit “To.” Das ist eine Algarvio-Abkürzung, bzw. Vokalaussparung – darüber können Sie in einem meiner früheren Artikel genaueres lesen – von “estou”, das heißt, ich bin (hier), was allerdings eine genauso schwache Lokal-Aussagekraft hat. Fragt man daraufhin nach dem Namen, ist es nicht sicher, dass man ihn genannt bekommt – erst wenn man bis ins kleinste Detail erzählt hat, wer man selber ist, warum man anruft, wie man überhaupt auf die Idee kommt, die Person am anderen Ende der Leitung sprechen zu wollen und was sie für einen Vorteil davon haben könnte, sich auf das Gespräch einzulassen – bekommt man eventuell eine dahingehende Antwort, oder auch nicht.

Meine Kollegin Elke wohnt in einem schönen, granitsteinernem Hochhaus mit Blick auf die Bucht von Lagos – und ich besuche sie gern. Allerdings habe ich mir bis heute nicht merken können, welches genau ihre Klingel ist. Es gibt da einige zur Auswahl: 1a, 1b, 1c, 1d, 2a, 2b, 2c, 2d, 3a, 3b, 3c, 3d, 4a, 4b, 4c, 4d.

Meistens löse ich das Problem so, dass ich mich mit meinem Oberkörper gegen das gesamte Klingel-Board lehne und dann, nachdem mir irgendwer Einlass gewährt hat, nochmal an jeder Wohnungstür extra klingele – bis mir endlich hinter 1a, 1b, 1c, 1d, 2a, 2b, 2c, 2d, 3a, 3b, 3c, 3d, 4a, 4b, 4c oder 4d – Moppel entgegenspringt – meiner Kollegin Köter, mein Lieblingshund.

Ein weiterer Blog: Wandern in Portugal

Algarve – Meerblick, Möwen und beliebte Butterbrote

NaDenn 20. June 2010

Liebe Algarve-Urlauber – sollten Sie sich entschließen Ihren Sommerurlaub in dem Algarve Ferienhaus “The View Factory “ hoch über dem Meer in Salema zu verbringen, bekommen Sie sicher öfter mal Besuch von einer Möwe. Bitten Sie sie herein und zeigen Sie ihr an Ihrem Laptop diesen Artikel (das Ferienhaus hat in allen Räumen Internetzutritt). Möwen wissen oft nicht, dass wir Menschen ein näheres Interesse an ihnen haben – dies wird sich dann endlich rumsprechen und sie werden uns in Zukunft vielleicht freudiger begrüßen, wenn sie mit uns zusammen einen Tag am Strand verleben.

The View Factory - Luxusferienvilla in Salema
The View Factory – Luxusferien-Villa in Salema

Alles über Möwen

Möwen schreiten. Sie tasten sich erst mit den Zehen vor und treten dann ganz auf. So ruckeln sie weiter, Schritt für Schritt. Das sieht irgendwie erhaben aus, auch elegant, obwohl sie von ihrer Statur her ehr knubbelig sind. Kommen sie näher ran, erkennt man ihren frustrierten Blick. Da können sie nichts zu, selbst wenn sie gute Laune haben, wirken sie unzufrieden. Das macht die Schnabelform, bzw. die des Oberschnabels, der am Ende eine Krümmung hat.

Möwen haben drei Zehen vorne, die durch Schwimmhäute miteinander verbunden sind und einen sehr kurzen, kräftigen Zeh hinten – der fehlt aber bei manchen Arten, sodass er fürs Gleichgewicht nicht allzu wichtig zu sein scheint.

Möwen werden bis zu 30 Jahre alt. Sie haben also die Möglichkeit ein und die selbe Möwe mit 18 und mit 48 Jahren zu treffen – schade also, dass wir nicht dieselbe Sprache sprechen. Möwen sprechen allerdings weniger, sondern schreien ehr. Sie stoßen sehr grelle, sehr kräftige, sehr unfreundlich klingende, langgezogene Rufe aus – und das am liebsten noch in Reihe, da sie sehr gesellig sind und meistens zu mehreren um die Häuser ziehen. Manchmal sitzen wir in unserem Büro für Algarve Ferienhaus Vermietung und ihr Krakeel echot zwischen den Betonwänden der Häuser, und wir würden am liebsten ebenfalls schreien, um Ruhe – aber es nützt ja nichts, deswegen hoffe ich, dass diesen Artikel nun eine Möwe liest.

Möwen sind Allesfresser, lieber als Aas ist ihnen allerdings frischer Fisch, weggeworfene Butterbrote und kleine Nagetiere. Wenn sie das alles nicht selbst erbeuten müssen, um so besser – oft jagen sie deshalb einfach anderen Vögeln ihr Mittagessen ab. Ihren Durst stillen Möwen mit Meerwasser, sie schießen dann plötzlich runter auf die glitzernde Wasseroberfläche und nehmen einen kräftigen Schluck, dessen Salz durch links und rechts am Schnabel angebrachte Drüsen wieder ausgeschieden wird.

Die Männchen sind etwas größer als die Weibchen, unterscheiden sich von ihnen aber ansonsten nicht. Möwen haben lange, schmale Flügel, die die Voraussetzung sind für ihr stundenlanges Segeln vor azurblauer Kulisse – und wer dieses Prinzip gerne näher untersuchen möchte, kann sich hier eine eigene Möwe basteln.

Erinnerungen, Einkaufstaschen und die Weite Welt

NaDenn 17. June 2010

Ich geh in Lagos an der Algarve die “Avenida dos Descobrimentos” hinunter, ich seh auf die Bucht und denke, wie privilegiert ich doch bin, an einem Ort leben zu dürfen, der für viele gestresste, Ruhe bedürftige, Strand liebende, Felsküsten begeisterte Deutsche ein heiß begehrtes Urlaubsziel ist: die Algarve! – Ich schlender also unter südwestlicher Sonne, summe sogar ein bisschen vor mich hin – und seh plötzlich, etwa 20 Meter von mir entfernt, Frau Wentoff, unsere alte Nachbarin, mit einer ausgeleierten Stoffeinkaufstasche die Straße queren.

Komisch, denk ich, die hat sich gar nicht verändert, bzw. die läuft in ihrem Algarve Urlaub genauso rum wie wenn sie nicht in Urlaub ist und zu Hause nur eben für sich und ihren Mann bei REWE Einkäufe macht. Dieselbe Kleidung: festes Schuhwerk, silbrig schimmernde Nylonstrümpfe, wadenlanger Wollrock, ein gestricktes Sommerpullöverchen mit Dreiviertelarm.

Ich beschleunige meinen Schritt und rufe dabei – erfreut, jemand aus meinem früheren Leben zu treffen – da wendet sich die Mutter meines besten Sandkastenfreundes um … und ist es gar nicht. Nur auf den ersten Blick, aber auf den zweiten und dritten nicht ansatzweise. Sie ist auch viel jünger und offensichtlich Portugiesin, denn der Pullover ist ihr mindestens 2 Größen zu klein – für Portugiesinnen kann Kleidung nicht eng genug sitzen – aber Frau Wentoff, da bin ich mir sicher, teilt diese südländische Neigung nicht.

Kennen Sie das auch?

Die Welt wird immer kleiner. Seit wir mit dem Flugzeug in Null komma Nichts überall hinreisen können, treffen wir in aller Herren Länder Bekannte wieder. Nicht wirklich – zwar kann es vorkommen, dass einem plötzlich in Bolivien auf einem Seitenarm des Rio Grande ein entfernter Cousin in seinem Paddelboot entgegenschippert – aber das meine ich nicht: ich meine damit, dass je größer der Radius wird, die Unterschiedlichkeiten umso kleiner werden. Das menschliche Motorikrepertoire und die Gestik haben eben ihre Grenzen, und innerhalb derer müssen sich alle Menschen und alle Nationen und alle Völker ihre Individualitäten aufteilen.

Und so kommt es eben, dass es eine Frau Wentoff in Uganda und in Paraguy und  in einem Ferienhaus an der Algarve und in Amsterdam und im Urwald in einer Rundhütte gibt, die in einigen von uns Erinnerungen wachruft, die eigentlich gar nichts mit ihr zu tun haben – und dann auf eine gewisse Art wieder doch.

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