Diesmal nicht für die Katz – Modenschau in Praia da Luz
NaDenn 5. May 2010
Am Wochenende haben die Engländer mal wieder was auf die Beine gestellt. Von allen an der Algarve lebenden Ausländergruppen – und da gibt es die deutsche “Gemeinde”, die niederländische, die französische, die sehr kleine spanische – und sogar die türkische (die besteht allerdings nur aus einem Mitglied) – sind sie die bestorganisierteste – möglicherweise weil die unkomplizierteste, die unkonventionellste – wie es mir zumindest aus meiner deutschgeprägten Sichtweise erscheint.
Vielleicht hat es mit ihrer Höflichkeit zu tun und damit, dass sie Hinz und Kunz sofort mit ihrem Vornamen anreden. Es ist ein anderes Gefühl, ob jemand zu mir sagt: “Hello Vera – nice to meet you. Would you mind helping me cleaning the Seafront holiday apartment?” – oder auf diese Weise: “Guten Tag Frau Henkel. Schön, dass ich Sie kennenlerne. Haben Sie was dagegen mir zu helfen das Ferienappartment mit Meerblick zu putzen?”
Am Wochenende gab es nämlich eine Charity-Modenschau in einem Hotel in Praia da Luz. Mit Charity haben es die Engländer ja. Allein in Lagos gibt es inzwischen vier oder fünf Second-Hand-Läden in britischer Hand, die alle vollgestopft sind mit den wunderlichsten Kleidungsstücken, Büchern, Vorhängen, Nippesfiguren, Beistelltischen, Handtaschen, Eierwärmern, Gemälden etc. Und alles zu wirklich guten, dh. niedrigen Preisen. Und der Verkaufserlös fließt dann jeweils in das entsprechende Projekt, für das eben Barschaften benötigt werden.
Das war in den letzen Jahren in der Hauptsache die Tierhilfe an der Algarve. Engländerinnen sind Weltmeister im Hunde und Katzenretten – und man hat als Portugiese ein großes Problem, wenn man beispielsweise im Hof einen armen Köter an einer 2 Meter kurzen Kette hat, auf dem die Flöhe tanzen und der dabei unaufhörlich sein Leid in die Welt hinausheult. Dann kann es nämlich passieren, dass eine beherzte englische Tierschützerin vorbeikommt und den Hund einfach mitnimmt – und sei es, dass sie dazu in einer Vollmondnacht über den Zaun steigen und mit einer Rohrzange kneifen muss.
Um auf Luz zurück zu kommen: Also die Modenschau am Pool im Sonnenschein mit Sekt und Musik und Meerblick war eine Wohltätigkeitsveranstaltung für ein gerade ins Leben gerufenes Hospizprojekt an der Westalgarve (unter der portugiesichen Bezeichnung für die Abenddämmerung “Madrugada“) – mit dem dessen Organisatoren auf diese Weise zum ersten Mal an eine breitere Öffentlichkeit traten.
Es war ein schöner, sehr heißer Nachmittag. Viel weiße Roben, ausladende Sonnenhüte, Männer in hellen Leinenanzügen, kleine Mädchen mit Seidenschleifen, gleißendes Licht. Es fehlten eigentlich nur noch die malayischen Diener – und der Anschein eines Frühlingfestes in einem riesigen Garten unter Palmen und Pavillions vor 200 Jahren in Ceylon wäre perfekt gewesen.
- Im Westen viel neues - Leben im Algarve
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