Archiv für das Tag 'Lagos'

Último Tag! On all items – Rabatt!

NaDenn 12. April 2010

SALE! Total-Ausverkauf! In the Hotel Algarve Casino in Portimão! Oriental Hand-made carpet sale! Einmalige Gelegenheit! Liquidação total!

Wenn Sie, liebe Algarve-Reisende sich sehr beeilen, kommen Sie noch rechtzeitig. Der Teppichtotalausverkauf aus den Beständen des recentemente falecido Sr. Zia, der in seinem traditionellen Teppichladen in oporto hochwertige carpets aus allen wichtigen Knüpfzentren der Welt gehortet hatte,  findet noch bis zum 15. April statt – also husch husch  in den Flieger! Portimão liegt dann auf der Strecke zwischen dem Flughafen Faro und unserem Ferienhausvermietungsbüro in Lagos, wo wir übrigens auch Englisch, Portugiesisch und Deutsch sprechen – allerdings nicht gemischt.

Und falls Sie bisher noch irgendwelche Zweifel gehegt haben sollten, darüber, ob Sie sich in Portugal überhaupt würden verständigen können – sind diese wohl hiermit aus der Welt geschaffen. An der Algarve spricht man alles. Die ganz alten Leute sprechen ihr Algarvío – gefärbt jeweils zusätzlich mit einem lokalen Einschlag, doch die jüngeren sprechen neben ihrem Portugiesisch fast ausnahmslos Englisch, wobei man sich nicht täuschen darf: Portugiesen sind zurückhaltend. Sie sagen, sie sprechen “a little bit” Englisch, und dann stellt man sich darauf ein und spricht sie nur mit einer sehr simplen, rudimentären Wortwahl an – und dann legen sie plötzlich los, und man hat Schwierigkeiten, ihnen verständnismäßig hinterherzukommen.

Algarvios, die heute so um die 60 sind, können auch Heimkehrer sein, die oftmals 20 Jahre oder mehr in Deutschland gearbeitet haben. Die sind dann immer hocherfreut, wenn sie ihre Deutschkenntnisse an den Mann bringen können – manchmal aber auch verschweigen sie sie absichtlich, um herauszufinden, was man – überzeugt, der Doofmann vor einem versteht kein Wort – wirklich von ihnen denkt. Auch Französisch ist in dieser Altersgruppe noch stark vertreten. Bis vor einigen Jahren war es in gebildeteren Kreisen ein Muss, französisch zu sprechen oder mindestens an der Sorbonne studiert zu haben.

Wenn ein Portugiese doch einmal mit seinem Latein am Ende ist, wird er normalerweise alles daran setzen, Ihnen trotzdem weiterzuhelfen. Er begleitet sie dann eben – wenn nötig quer durch die Stadt – dorthin, wonach Sie gefragt haben. Oder er ruft schnell seinen Vetter an, der in der Abendschule in Vila do Bispo Englisch lernt – und der gibt Ihnen dann die Wegbeschreibung über das Mobiltelefon durch.

Denken Sie immer daran: Urlaub an der Algarve is worth the money e vale o seu dinheiro!

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Agaven an der Algarve

NaDenn 17. February 2010

Agaven stammen ursprünglich aus Mexiko, wo sie nicht nur die Landschaft verschönern, sondern auch zu Schnaps verarbeitet werden. Der weltbekannte Tequila wird aus der blauen Agarve gewonnen, und “Pulque”, das mexikanische Nationalgetränk aus dem vergärten Agavensaft. Früher rösteten die Indios die Agaveblätter über dem Feuer, was aufgrund ihres hohen Zuckergehaltes eine wohlschmeckende, süße Nachspeise ergab.

An der Algarve wachsen die Agaven überall, wild in Strandnähe und kultiviert in den zahlreichen großen und kleineren Gärten. Sie benötigen relativ wenig Wasser, dh können in den heißen Sommermonaten völlig ohne auskommen, weil sie das Wasser aus der Frühjahrsregenperiode in ihren Blättern speichern – wie die Kamele in ihren Höckern – die aber deshalb nicht auch zur Familie der Sukkulenten zählen.

Agaven blühen nur einmal in ihrem Leben und können dafür zwischen 15 und 50 Jahre benötigen. Ganz plötzlich wächst aus ihrer Mitte in einem rapiden Tempo ein bis zu 12 Meter hoher Blütenschaft heraus, an dessen Ende gelbe Blütenwuschel erscheinen. Ungefähr einen Monat hält dieses Pracht an, dann ist die Pflanze erschöpft und stirbt als Ganzes ab. Man muss das mal gesehen haben, diese langen Stäbe, die plötzlich so artfremd aus der Mitte der Pflanze hervorschießen. Sie sehen aus wie magere, unterernährte, enorm zähe Stiefkinder – wie pubertierende 13-jährige, die plötzlich nur noch aus langen, eckigen Knochen bestehen. Man sieht sie vom Weiten hochaufragend gegen den tiefblauen Himmel gelehnt – und ist ganz erstaunt, wie unähnlich sie ihrer Mutterpflanze  sind.

Wenn dann nach 4 Wochen alles Leben aus ihnen gewichen ist, beginnen sie zu verholzen, um wiederum nach ein paar Monaten einfach umzukippen.

Im Absterben begriffene Agavenblüte am Dona Ana Strand, Lagos
Agaveblüte, Praia Dona Ana

Im Foto oben sehen Sie eine im Absterben begriffene Agavenblüte über dem Dona Ana Strand in Lagos. Der Praia Dona Ana ist sozusagen der “Hausstrand” von Vilalaia, hier ganz in der Nähe finden Sie unser Büro und im selben Komplex eine Reihe von Ferienappartements, von denen Sie es nur 5 Minuten zum Strand haben und die Sie über uns buchen können.

Evolution

NaDenn 24. August 2009

Da die mehr als 5000 Millionen Jahre, die die Erde gebraucht hat, sich zu entwickeln nicht wirklich vorstellbar sind, gibt es das 100-Jahre Modell, welches unserem beschränkten menschlichen Zeitbewusstsein auf die Sprünge hilft.

Demnach formten sich die ältesten uns bekannten Gesteine im Jahre 15, und das erste, noch recht primitive Leben in Form von Bakterien und Algen erschien 12 Jahre danach. Dann war lange Zeit nichts. Dh, die Algen wurden größer und gingen mal mit den Bakterien aus – aber sonst war, außer dass die Kontinente auseinanderdrifteten und man plötzlich Verwandte in Amerika haben konnte,  nicht viel los – bis, endlich! im Jahe 92 hie und da Amphibien aus den Ozeanen krabbelten – noch recht verschüchtert, aber glücklich, mal die Sonne zu sehen.

Vor drei Jahren gabs Dinosaurier, aber vor zwei starben sie wieder aus. Vor drei Wochen probierte in Afrika der erste Halbaffe den aufrechten Gang und erfand Axt, Bohrer und Vorlegegabel, vor 2 Stunden endete die letzte Eiszeit und man konnte wieder oben ohne gehen.

Vor 2 Minuten begann die Industrielle Revolution, vor 3 Sekunden betrat Neil Armstrong den Mond (eigentlich wäre das die beste Gelegenheit für ihn gewesen, sein berühmtes “What a wonderful world” zu spielen – warum eigentlich tat er es nicht?) -  und vor 1 Minute springt plötzlich in unserem Büro die Tür auf und Karl-Heinz Müller präsentiert uns triumphierend einen Thermometer, den er eben noch unten am Praia Dona Ana ins Meer getaucht hat:

“Da, sehen Sie sich das an: 18,825!” Und als wir verständnislos nicken, zieht er einen zerknautschten Prospekt aus seiner Bermudashorts: “Und hier steht schwarz auf weiß! Im August hat der Atlantik bei Lagos 20 Grad!”

To-Do

NaDenn 6. July 2009

Ich lese ja nun viel über Portugal, und dabei stieß ich irgendwo auch auf diesen Satzfetzen: “…er reiste noch nach Marokko. Wenig später verloren sich dort seine Spuren.”

Ich weiß nicht mehr von welchem König oder welchem Prinz oder auch Anwärter, Feldherr, Entdecker dabei die Rede gewesen ist, aber diese letzten Worte habe ich mir gemerkt, weil darin ein ganzes Leben auf den Punkt gebracht ist. “Er wurde geboren, heiratete mit 21 bekam einen Orden in den Afrikafeldzügen, ging nach Marokko, wo sich seine Spuren in der Wüste verloren.”

Muss ich mich so ernst nehmen? frage ich mich seitdem. Wenn sich meine Spuren doch in ein paar Jahren in Lagos oder Düsseldorf oder Hanoi verlieren? Wenn ich meinen Ururenkeln nur noch eine schmale Erinnerung wert sein werde, aus dritter Hand – (”ja, eine meiner Vorfahrinnen war auch Schriftstellerin und lebte in einem Dorf an der Algarve.”)

Wir werden geboren, wurschteln vor uns hin, und sterben. Jemand macht Fotos, die sich drei Generationen später in einem großen, roten Schuhkarton wiederfinden. An einem Winterabend sitzt die ganze Familie zusammen und tut endlich das, was schon seit Jahren auf der To-Do Liste steht, aber wozu man bis jetzt nie die Zeit und die Muße gehabt hat: alte Fotos sortieren. “Wer ist das denn?” ruft Klein-Hannes prustend aus und zeigt auf eine große Frau mit einem Doppelkinn, geschwollenen Kniegelenken, hellgelben Shorts und einem rosa Plüschoberteil, die vor einer Ewiges-Eis-Fototapete inmitten einer Horde Papppinguinen steht.

Das bin/war ich kurz nach meinem 72sten Geburtstag. Meine Rente war recht mager ausgefallen und so verdiente ich mir mit allerlei Jobs noch etwas hinzu. Dies hier war eine der Probeaufnahmen für ein  Fotoshootings für ein neues Schoeller-Eis. Sie suchten eine große Frau, die einen ganz bestimmten Ausdruck im Gesicht haben sollte: hingebungsvoll, weise, vom Leben gezeichnet und trotzdem verzückt. Dieses besondere Flair war gerade “in”, besonders bei Damen meines Alters, aber ich konnte einfach nicht ernst bleiben – und so bekam ich den Job nicht.

Ach die…”, sagt Helena, die Enkelin der ersten Frau meines Sohnes, “ich glaub, das war eine Freundin der Mutter von meinem Vater – komisch, die Frau, ich meine mich zu erinnern, dass sie mit 9 Monaten vom Wickeltisch fiel, aber das durften wir nicht laut sagen – legs hier auf den Haufen, der kommt nachher weg.”

Kunst und andere Gestalten

NaDenn 10. April 2009

Freundliche Vögel stehen beisammen auf dünnen, geraden Beinen und unterhalten sich, sehr leise, denn es gibt auch noch einen komischen Mann mit einer Art Halskrause im Gesicht. Der scheint aufzupassen, aber er hat keine Ohren,  schweigsame Gestalten insgesamt, dieser Haufen – alle aus Stein.

Daneben an der Wand Fotos von Leuten in einer Bushaltestelle, typisch portugiesisch, schmucklos: eine harte Steinbank und gerade mal ein Dach gegen Sonne und Wind. Mal nimmt grad eine Familie Platz, mal gibt’s einzelne Wanderer, mal ist niemand zu sehen. Das Mittel der Serie, die Zeit sichtbar macht, Zufälle protokolliert und Gegenwart erklärt.

Unten im blauen Pool treiben pinke Gummibälle, manchmal in ihren Bahnen sanft gebremst von unter der Wasseroberfläche träge einher torkelnden schwarzen Ballons, die je nach Gewicht mehr oben oder näher dem Boden taumeln. Die meisten von ihnen versammeln sich um eine enge Verwandte, einen großen silbernen Unterwasserball, der Geschichten erzählt: “Könnt ihr euch noch erinnern, Kinder … damals, als wir noch nicht Kunst waren und noch mit Luft gefüllt…”

Die Villa, in der die Ausstellung stattfindet, steht zum Verkauf, wie eigentlich alle umliegenden, neu erbauten Villen in dieser Gegend hier, hoch über dem Praia do Porto de Mós. “Open House” ist der Titel der Schau, fünf regionale KünstlerInnen sind daran beteiligt – António Alonso, Christina Kuhn Cruzes, Jorge Pereira, Teresa Dias Coelho und Vera Faria Gonçalves.

Da wir in Portugal sind und nicht in Düsseldorf ist pünktlich zur Eröfffnung auch nur eine Künstlerin anwesend. Aber der Poolkünstler kommt schnell herbeigeeilt mit einem gerade fertiggestellten Exponat unter dem Arm – auch gibt es noch keine Namensschildchen neben den Werken und die Preise sind noch nicht angeklebt.
Allerdings macht das nichts – ich finde vielmehr, dass die Namen oft irritieren. Wenn man die Künstler nicht kennt, sind sie ohnehin nur Zierde, aber man fühlt sich gezwungen, sie zu lesen, genauso wie den Preis, den man sich oft noch weniger erklären kann.

So sieht man sich als nächstes eine kniehohe Pappröhre an. Sie hat Beine und einen Hut auf und ein Gesicht angemalt und steht am Rande von einem Sockel – und man guckt gerade deshalb hin, weil sie nicht in der Mitte steht. Erst sagt sie guten Tag, dann verweist sie auf die Waschbretter, die an der Wand lehnen und bunt angemalt sind.

Das macht nicht viel Sinn, finde ich, ist aber egal, weil es Spaß macht. Vielleicht macht es auch einen ernsteren Sinn, aber der Künstler ist eben noch nicht da, um es zu erklären; vielleicht erinnern ihn die Waschbretter an etwas: Kindheit, Karneval, Vergangenheit, Zukunft, Leben, Liebe, Sterben….Ich will immer alles erklärt haben, und deshalb ist es manchmal nur gut, wenn die Künstler zu spät zu ihren Exponaten kommen. Dann bin ich gezwungen, sie undefiniert auf mich einwirken zu lassen, dann leg ich mich in einem der oberen Räume auf den Wildtierimitatteppich (ist das nicht ein tolles Wort?) und lasse das Telefon über mir bimmeln…und seh mir Maria an, die nur echt aussieht, aber in Wirklichkeit Bild ist und gesprüht, mit der Kalaschnikov in der Hand.

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