Archiv für das Tag 'Porto de Mós'

Kunst und andere Gestalten

NaDenn 10. April 2009

Freundliche Vögel stehen beisammen auf dünnen, geraden Beinen und unterhalten sich, sehr leise, denn es gibt auch noch einen komischen Mann mit einer Art Halskrause im Gesicht. Der scheint aufzupassen, aber er hat keine Ohren,  schweigsame Gestalten insgesamt, dieser Haufen – alle aus Stein.

Daneben an der Wand Fotos von Leuten in einer Bushaltestelle, typisch portugiesisch, schmucklos: eine harte Steinbank und gerade mal ein Dach gegen Sonne und Wind. Mal nimmt grad eine Familie Platz, mal gibt’s einzelne Wanderer, mal ist niemand zu sehen. Das Mittel der Serie, die Zeit sichtbar macht, Zufälle protokolliert und Gegenwart erklärt.

Unten im blauen Pool treiben pinke Gummibälle, manchmal in ihren Bahnen sanft gebremst von unter der Wasseroberfläche träge einher torkelnden schwarzen Ballons, die je nach Gewicht mehr oben oder näher dem Boden taumeln. Die meisten von ihnen versammeln sich um eine enge Verwandte, einen großen silbernen Unterwasserball, der Geschichten erzählt: “Könnt ihr euch noch erinnern, Kinder … damals, als wir noch nicht Kunst waren und noch mit Luft gefüllt…”

Die Villa, in der die Ausstellung stattfindet, steht zum Verkauf, wie eigentlich alle umliegenden, neu erbauten Villen in dieser Gegend hier, hoch über dem Praia do Porto de Mós. “Open House” ist der Titel der Schau, fünf regionale KünstlerInnen sind daran beteiligt – António Alonso, Christina Kuhn Cruzes, Jorge Pereira, Teresa Dias Coelho und Vera Faria Gonçalves.

Da wir in Portugal sind und nicht in Düsseldorf ist pünktlich zur Eröfffnung auch nur eine Künstlerin anwesend. Aber der Poolkünstler kommt schnell herbeigeeilt mit einem gerade fertiggestellten Exponat unter dem Arm – auch gibt es noch keine Namensschildchen neben den Werken und die Preise sind noch nicht angeklebt.
Allerdings macht das nichts – ich finde vielmehr, dass die Namen oft irritieren. Wenn man die Künstler nicht kennt, sind sie ohnehin nur Zierde, aber man fühlt sich gezwungen, sie zu lesen, genauso wie den Preis, den man sich oft noch weniger erklären kann.

So sieht man sich als nächstes eine kniehohe Pappröhre an. Sie hat Beine und einen Hut auf und ein Gesicht angemalt und steht am Rande von einem Sockel – und man guckt gerade deshalb hin, weil sie nicht in der Mitte steht. Erst sagt sie guten Tag, dann verweist sie auf die Waschbretter, die an der Wand lehnen und bunt angemalt sind.

Das macht nicht viel Sinn, finde ich, ist aber egal, weil es Spaß macht. Vielleicht macht es auch einen ernsteren Sinn, aber der Künstler ist eben noch nicht da, um es zu erklären; vielleicht erinnern ihn die Waschbretter an etwas: Kindheit, Karneval, Vergangenheit, Zukunft, Leben, Liebe, Sterben….Ich will immer alles erklärt haben, und deshalb ist es manchmal nur gut, wenn die Künstler zu spät zu ihren Exponaten kommen. Dann bin ich gezwungen, sie undefiniert auf mich einwirken zu lassen, dann leg ich mich in einem der oberen Räume auf den Wildtierimitatteppich (ist das nicht ein tolles Wort?) und lasse das Telefon über mir bimmeln…und seh mir Maria an, die nur echt aussieht, aber in Wirklichkeit Bild ist und gesprüht, mit der Kalaschnikov in der Hand.