Archiv für das Tag 'Strandrestaurant'

Umfrage!

NaDenn 13. July 2009

Dies ist eine Umfrage an meine Leser – bitte alle beteiligen!

Es ist sehr wichtig: Finden Sie, dass ich negativ über das Land und die Portugiesen schreibe?

Das hat man mir vorgeworfen, letztens bei einer Lesung, die ich in Odeceixe in einem Strandrestaurant hatte. Lauter gediegene Leute, blond, gebräunt und in Boutiquenkleidung – nicht aufreizend, aber gutes Material. Alle sehr gebildet  – und ich total schlecht drauf, manchmal trifft ja alles zusammen – schon den ganzen Tag – das hatte jetzt nichts mit dem Publikum zu tun.

Wir waren zu zweit, Margit verlas Beschauliches und Versöhnliches mit Gemüt und Seele – dazwischen gab’s Fingerfood vom Feinsten – im Hintergrund lief die Kühlanlage und ab und an stürzte in der zum Restaurantteil offenen Küche ein zu hoch gestapeltes Geschirrteil klirrend in die Spüle ab.

Ich las: “Tia Maria” – die Episode vom kleinen Portugiesen, der seiner Mutter zu Gefallen auf Brautschau gehen muss. – Was ist daran negativ? – frage ich nun. Ich kann doch nichts dafür, dass der Portugiese klein ist und eine dicke Brille trägt und seine Mutter ihn mit ihren Mädchenträumen nicht in Ruhe lässt! Ich hätte gerne etwas Erfreulicheres über ihn geschrieben, allerdings dafür so weit gehen, dass ich mich ihm selber angeboten hätte, wollte ich nun doch wieder nicht. Ich werd ihn das nächste Mal zu einer Lesung mitbringen, vielleicht findet sich dort jemand.

Weiterhin: “Sobremesa”. Da konnte ich ja nun wirklich nichts zu, dass es dem Pudding so schlecht ging. Das war eine reine Beschreibung der Tatsachen. Seit wann ist eine Trauerrede für einen Vanillepudding negativ? Andere Puddings würden sich die Finger danach lecken, in ihren letzten Stunden soviel Beachtung zu finden!

“Porree” – die Geschichte über die Haferflocken und die beneidenswerte Eigenschaft der Portugiesen immer höflich und freundlich zu bleiben – auch wenn die neugierigen Touristen noch so viel über den Bestand des Sortiments wissen wollen. Bitte richtig lesen: es ist mir eine Enttäuschung, die ich in einem deutschen Supermarkt auf jeden Fall gehabt hätte – ERSPART geblieben!

Ich bitte Sie also, meine Blogleser, sich nun zu äußern. Kommt der Portugiese negativ weg? Oder ist das Leben eventuell wie es ist?

Ort der Freude

NaDenn 3. March 2009

“Praça de Alegria” ist eine allmorgentliche Sendung im Portugiesischen Fernsehen. Sowas gibts ja seit Jahren überall auf der Welt: Flotte Moderatoren geben Kochtipps, stellen neue Bücher vor, unterhalten sich mit Personen des öffentlichen Lebens, dazwischen gibts Tuschs und kleine Trommelwirbel von der Studiocombo – am Rand aufgereiht sitzen die Zuschauer brav auf ihren Plätzen und versuchen ihre allerbesten Gesichter  aufzusetzen, falls doch einmal die Kamera rüberschwenkt.

Ich hab ja keinen Fernseher, aber das macht hier nichts, weil ja unten in der “Casa de Pastos de Rodrigues” die Breitbandkiste Tag und Nacht läuft, wie in jeder Bar und in jedem Restaurant. Ich geh rein und bestell meinen Frühstücksbica und fröhliche, alte Leute in Kung Fu Anzügen lernen auf dem Bildschirm, wie man sich selbstverteidigt.

Die Alten heißen hier “Idosos” – und ich habe lange gebraucht, mich an das Wort zu gewöhnen, weil es eben ganz anders klingt und deshalb auch etwas ganz anderes mitschwingt als bei der deutschen Bezeichnung für betagte Zeitgenossen. Wir haben: die Alten – aber das sagt man nicht mehr. Also sagen wir: die Älteren – aber das hören sie auch nicht gerne. Dann gibt´s noch: Senioren – Seniorentreff, Seniorentanz, Seniorenheim, Seniorenkaffeeklatsch. Doch das hört sich so schwer an, finde ich. “Senioooren”: steife, unbewegliche, depressive Gestalten, die graue Straßen entlangschlurfen.

Dagegen “Idosos” mit i – das klingt doch noch nach was! Die bewegen sich noch, die hebeln sich lachend und mit offensichtlich großem Spaß an der Sache in der Mitte des “Platzes des Vergnügens” die Arme aus, dazu schmettern die Trompeten und das Publikum klatscht. Die amüsieren sich prächtig, auch wenn ihnen vorn die Zähne fehlen und sie nicht hinten in der Maske noch schnell provisorisch welche eingeklebt gekriegt haben.

Und hoch das Bein und gleichzeitig die Faust nach vorne geschnellt, die Kamera kann grad noch ausweichen, einige Zuschauer auf den erhöhten Plätzen im Hintergrund sind aufgestanden und machen die Übungen ins Luftleere mit. Und wenn er dürfte, würde nun auch Sr. Rodriguez aus der Hüfte treten, aber da trifft ihn schon ein warnender Blick seiner Frau und so macht er sich hurtig an die Reinigung der Glasvitrine.

Das letzte mal, als ich die Sendung sah, gab es Businessgymnastik. Offensichtlich fand grad irgendwo in der Nähe des Studios eine Messe statt, jedenfalls hatte man die Anzugträger und bepumpsten Damen alle herbeigschafft und sie dehnten ihre Oberschenkel auf Anweisung eines enthusiastischen Animateurs und schwitzten wie die Tiere dabei. Aber sie machten alle mit – das war mal was anderes als die ewig gleichen Mittagessen in den Restaurants der Umgebung: Suppe, Fleisch, Pommes, Nachtisch, einen Kaffee, einen Marcieiro, eine Zigarette. Sie trafen nicht den Takt, sie prusteten schon nach drei Mal Arme heben, sie hatten knallrote Köpfe und einer fasste sich kurz röchelnd ans Herz.

Aber die Freude war echt, und deshalb liebe ich dieses Land inzwischen. Auch hier ist nicht alles toll und jeden Tag verlieren 30 Portugiesen ihren Arbeitsplatz, das ist furchtbar viel auf so einem kleinen Fleckchen Erde, aber  so ist manchmal das Leben – und wenn gleich alle bei den Liegestützen zusammenbrechen, hat man wenigstens am Morgen schon mal herzhaft gelacht.