Natur und Wandern an der Algarve

Boca do Rio - Ein vielfältiges kleines Paradies

Text und Fotos: ANABELA GASPAR

Der Strand Boca do Rio: Paradiesisch und einsam

Südlich von Budens bei Lagos liegt der Strand Boca do Rio. Ein einzigartiger Ort, der Strand, Meer, Archäologie und Geschichte sowie eine reiche biologische Vielfalt vereint.

Srand Boca do Rio, Algarve

Der Strand Boca do Rio: Schon römer und Mauren wußten diesen Strand zu schätzen

Nur knapp zwei Kilometer von der Hauptstraße EN 125 entfernt, hinter immergrünen Hügeln und zwischen den Stränden von Burgau und Salema, liegt Boca do Rio, ein kleiner Strand, der zahlreiche Geheimnisse birgt. Eingebettet zwischen dem Monte do Forte (Hügel der Festung) im Osten und dem Monte dos Medos (Hügel der Ängste) im Westen, liegt der Strand am Ästuar der Ribeira de Almádena – eine beeindruckende Landschaft, in der man in zwei Welten taucht.

Dies hatten bereits die Römer erkannt, wie die zerstörten Überreste einer über 2.000 Jahre alten römischen Residenz (Villa) direkt am Strand beweisen, sowie die Festung Forte de Almádena. Die Lage der Villa wurde vermutlich gezielt ausgewählt, um nicht nur in den direkten Genuss der landwirtschaftlichen, sondern vor allem auch der maritimen Ressourcen zu kommen. Ein Beweis hierfür war die Ausstattung der Villa mit Fischtanks, die der Herstellung der begehrten

Fischsauce Garum dienten. Heute ist von den Ruinen fast nichts zu sehen, geschweige denn von der prachtvollen Vergangenheit der Gemäuer. Es soll ein großartiger Bau mit Marmorsäulen und wunderschön dekorierten Mosaiken und Fresken gewesen sein. Entdeckt wurden die Ruinen nach einer der größten Katastrophen in Portugals Geschichte, dem Erdbeben am 1. November 1755, das auch einen Tsunami auslöste. Die Kraft der Wellen entfernte die Erdschichten, die die Villa am Boca do Rio bedeckt hatten, und brachten ihre Strukturen wieder ans Tageslicht. Einige der hier entdeckten Funde wie reich verziertes römisches Glas und Mosaike sind im Museum von Lagos ausgestellt.

Von der Festung, besser gesagt von den Ruinen, auf denen die Festung errichtet wurde und in denen u.a. Kupfermünzen des römischen Kaisers Nero gefunden wurden, wird behauptet, dass dort Herkules Tempel war, der laut Ptolemäus an einem Strand nahe des Kaps (heute Kap S. Vicente) lag. Später sollen die Mauren dort eine Moschee gebaut haben und 1632 ließ dann Graf D. Luís de Sousa die Festung errichten, mit dem Ziel, eine naheliegende Almadrava, ein labyrinthisches System zum Fang von Thunfischen, vor Piraten zu schützen. Das Erdbeben von 1755 richtete große Schäden in der Festung an, trotzdem blieb sie bis 1849 in Betrieb.

Außer diesen architektonischen und geschichtlichen Schätzen bewahrt Boca do Rio auch biologische Reichtümer. Die vorzufindende reiche Vielfalt führte dazu, dass vor kurzem bei Boca do Rio eine Estação de Biodiversidade eingerichtet wurde: Dabei handelt es sich um einen zwei Kilometer langen Rundweg mit Infotafeln zu Flora und Fauna, der Teil eines landesweiten Netzes solcher Stationen ist, die maximal drei Kilometer lange Wanderrouten umfassen. Nach denen von Pico Alto (Silves), Tôr und Barranco do Velho (Loulé) und Ribeira de Alportel (S. B. de Alportel) ist die bei Boca do Rio die fünfte markierte Route in der Algarve. Ziel ist es, nicht nur Informationen zu Flora und Fauna weiterzugeben, sondern auch zu sammeln, denn Wanderer werden dazu aufgefordert, Fotos und Informationen gesichteter Tiere oder entdeckter Pflanzen mit dem landesweiten Netzwerk unter fb.com/EstacoesDaBiodiversidade oder www.biodiversity4all.org zu teilen.

Boca do Rio: Ein Strand auch für Naturliebhaber

Die Wanderung startet rechts vom Parkplatz, doch bevor wir den Anstieg in Angriff nehmen, gehen wir zuerst zum Strand. Die Landschaft und ihre Farben sind unbeschreiblich schön. Alles harmonisiert und ergänzt sich vollkommen: Das Wasser, das blau bis türkis schimmert, der wolkenlose tiefblaue Himmel, das Grün der Hügel, die Felsen und der feine Sand – einfach eine perfekte Kombination! Gleich zu Beginn des Aufstiegs, noch bevor wir zur ersten Tafel kommen, lernen wir auch schon die ersten Bewohner des Strandes kennen: Tausende Libellen schwirren um uns herum, u. a. die knallrote Frühe Heidelibelle. Kurz darauf macht uns eine Tafel auf Heuschrecken, Käfer und andere heimische Insekten aufmerksam. Man sollte also unbedingt darauf achten, wo man seinen Fuß hinsetzt. Hoch oben auf dem „Hügel der Ängste“ angekommen, lassen wir die Augen über die Landschaft schweifen und sind schlicht und einfach beeindruckt. Man blickt auf den Paul da Lontreira, die fruchtbaren Felder an der Ribeira de Almádena, auf die umliegenden Hügel und imposanten Klippen, auf die Festung und den weiten Atlantik. Das Wasser ist so kristallklar, dass wir die Felsen auf dem Meeresgrund deutlich erkennen können. Nach einigen Metern am Felsvorsprung entlang führt der Weg dann ins Landesinnere und bietet einen atemberaubenden Ausblick auf den schmalen Strand von Salema und die gleichnamige Ortschaft. Weitere Tafeln weisen die Wanderer auf Raupen, Sing-, Greif- und Wasservögel hin, die hier beobachtet werden können, sowie auf die Flora, die vor allem aus Wacholder, Stechpalmen-Kreuzdorn, Rauer Stechwinde, Mastixsträuchern und Lackzistrosen besteht. Kurz nach der fünften Infotafel, an der Gabelung, an der es rechts nach Salema geht, führt ein Weg zwischen den Sträuchern Richtung Westen entlang der Felsen – ein kleiner Abstecher, der sich allemal lohnt. Zurück auf der markierten Route erreichen wir wenig später erneut eine Gabelung, von der aus wir den linken, etwas steilen Weg bergab zur Straße nehmen. Dieser folgt man aber nur einige Meter Richtung Osten, bevor es auf einem breiten Schotterweg, der hier die Radroute Ecovia do Algarve bildet, zurück zum Startpunkt geht. Wir blicken dabei auf das Feuchtgebiet, die umliegenden Hügel, die Festung und den Strand und erfahren, dass hier der Große Eichenbock lebt, ein in Deutschland vom Aussterben bedrohter Käfer, und dass zwischen März und Juni die Landschaft durch die blühende Pyramiden-Hundswurz noch weiter an Farbe und Reiz gewinnt. Im Herbst dürfte man allerdings die Schwalbenschwanz-Schmetterlinge beobachten können, die ebenfalls prachtvolle Farben aufweisen.

Fazit: ein kleiner Rundgang, der eine Menge zu bieten hat.

Zufahrt:
Von Lagos Richtung Vila do Bispo auf der EN 125, kurz nach der Ampel und dem Intermarché-Supermarkt bei Budens links nach Boca do Rio / Forte de Almádena abbiegen (ausgeschildert). Immer geradeaus bis zum Parkplatz am Strand Boca do Rio.

Mit freundlicher Genehmigung von Entdecken Sie Algarve/Open Media Gruppe
Ausgabe Entdecken Sie Algarve 12/14
Text und Fotos: ANABELA GASPAR, ERNESTINO MARAVALHAS